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Forschungszulage · Maschinenbau

Forschungszulage für den Maschinenbau

Sondermaschine, Prüfstand, neues Fertigungsverfahren: Wo deine Konstruktion auf technische Ungewissheit trifft, erstattet der Staat 25 % deiner F&E-Kosten — als KMU auf Antrag 35 %. Rückwirkend bis Wirtschaftsjahr 2022.

  • Fördersatz

    25 % der förderfähigen F&E-Kosten, für KMU auf Antrag 35 % — ausgezahlt als Steuergutschrift.

  • Maximale Zulage 2026

    Bemessungsgrundlage bis 12 Mio. € je Wirtschaftsjahr, daraus bis zu 4,2 Mio. € Zulage.

  • Prüfstände & Messtechnik

    Bewegliches Anlagevermögen ist über den Abschreibungsanteil ansetzbar (§ 3 Abs. 3a FZulG).

  • Rückwirkend beantragen

    Ein Antrag 2026 erreicht die Jahre 2022 bis 2025 — für 2022 endet die Frist am 31.12.2026.

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Abstrakte Darstellung von Maschinenbauteilen als Sinnbild für Konstruktion und Prototypenbau

Maschinenbau: wo Neuentwicklung und Kundenauftrag sich trennen

Im Maschinenbau sind die Frascati-Kriterien häufig erfüllt — trotzdem wird die Forschungszulage oft nicht beantragt. Meist liegt es an einer Verwechslung: Wer eine bekannte Baugruppe an ein neues Lastenheft anpasst, konstruiert. Wer nicht weiß, ob die Taktzeit mit der geplanten Kinematik erreichbar ist oder ob die Schweißnaht am neuen Werkstoff hält, betreibt experimentelle Entwicklung nach § 2 FZulG.

Maßgeblich ist die technische Ungewissheit zum Projektstart: Sondermaschinen mit neuartiger Prozessführung, Robotikzellen, Antriebs- und Regelungskonzepte, additive Fertigung, neue Werkstoffpaarungen. Am Anfang steht eine Frage, die nur Versuch, Messung und Iteration beantworten.

Ansetzbar sind dann nicht nur die Löhne deiner Konstrukteure und Versuchstechniker, sondern auch Prüfstände und Messtechnik — mit dem Abschreibungsanteil nach § 3 Abs. 3a FZulG, wenn die BSFZ ihre Erforderlichkeit mitbescheinigt.

Förderfähige Projekte

Was in Maschinenbau zählt

  • Sondermaschinen- und Anlagenentwicklung

    Wenn für deine Aufgabe keine Maschine am Markt existiert und du Kinematik, Prozessführung oder Handhabung erst entwickeln musst, liegt hier der Kern der Forschungszulage. Förderfähig ist der Teil, bei dem zu Projektbeginn offen war, ob und wie die geforderte Funktion technisch überhaupt erreichbar ist.

    • Handhabungskonzept für biegeschlaffe Bauteile
    • Prozessregelung bei schwankenden Materialchargen
    • Neuartige Kinematik für geforderte Taktzeit
    • Reinraumtaugliche Anlage ohne bekannte Dichtlösung
  • Antriebstechnik, Robotik, Automatisierung

    Regelungsstrategien, Bahnplanung, Sensorik und Antriebsauslegung werden förderfähig, sobald du die Grenzen bekannter Verfahren verlässt — etwa bei Genauigkeit, Taktzeit oder Prozesssicherheit, die sich mit Standardkomponenten und Auslegung nach Herstellerkennfeld nicht mehr erreichen lassen.

    • Bahnplanung für Mensch-Roboter-Kollaboration
    • Kraftgeregeltes Fügen ohne starre Vorrichtung
    • Lageerkennung glänzender Teile per Bildverarbeitung
    • Zustandsüberwachung über Antriebsstromsignaturen
  • Werkstoffe, Fertigungsverfahren, Prototypen

    Neue Werkstoffpaarungen, veränderte Fügeverfahren, additive Fertigung tragender Bauteile: Hier entsteht F&E fast immer im Versuch. Auch fehlgeschlagene Versuchsreihen zählen — die Zulage bemisst sich am Aufwand des Vorhabens, nicht an seinem Erfolg. Der Abbruch schadet dem Anspruch nicht.

    • Additive Fertigung tragender Bauteile aus Werkzeugstahl
    • Schweißparameter für Mischverbindungen Alu/Stahl
    • Topologieoptimiertes Gussteil mit FEM-Validierung
    • Dauerlaufprüfstand für neue Getriebestufe

Worauf es ankommt

Maschinenbau im Detail

Die Abgrenzungsfragen, an denen Anträge in dieser Branche wirklich entschieden werden.

Kundenkonstruktion oder echte Entwicklung?

„Wir konstruieren doch nur, was der Kunde bestellt“ — dieser Satz führt im Maschinenbau häufig dazu, dass Förderung liegen bleibt. Wer das Vorhaben ausgelöst hat, ist unerheblich; auch Entwicklung im Kundenauftrag ist förderfähig. Entscheidend ist die technische Ungewissheit zu Projektbeginn.

  • Routine: Anpassung bekannter Baureihen an neue Abmessungen, Auslegung nach Katalog und Kennfeld, Variantenkonstruktion aus dem Baukasten, CE-Bewertung, Inbetriebnahme.
  • F&E: unbekanntes Prozessfenster, nicht vorhersagbares Bauteilverhalten, Zielgrößen für Genauigkeit, Taktzeit oder Standzeit außerhalb des bisher Beherrschten.

Der Test: Lässt sich das Ergebnis vorab berechnen oder aus Erfahrung zusagen, ist es Konstruktion. Musst du versuchen, messen, verwerfen und neu auslegen, ist es experimentelle Entwicklung nach § 2 FZulG.

Nachweis im Maschinenbau: Vorhaben richtig schneiden

Die BSFZ prüft nur, ob F&E vorliegt — Rechnungen und Verträge will sie nicht sehen, sie liest deine Vorhabenbeschreibung. Der häufigste Fehler: Der Kundenauftrag wird zum Vorhaben erklärt, dann steht die ganze Maschine im Antrag, inklusive Schaltschrank, Montage und Doku. Schneide das Vorhaben entlang der technischen Fragestellung — sie kann mehrere Aufträge betreffen oder nur eine Baugruppe.

Für Stufe 2 zählt die Stundenzuordnung. In vielen Betrieben buchen Konstrukteure und Versuchstechniker auf die Kundenauftragsnummer — das trägt nicht. Lege im ERP je Vorhaben einen eigenen F&E-Kostenträger an. Als Beleg tragen: Lasten- und Pflichtenheft, Konstruktionsstände aus dem PDM, Versuchs- und Messprotokolle, Prüfstandsreihen, Entwurfsprüfungen. Dokumentiere auch Fehlversuche und verworfene Varianten — sie sind der beste Nachweis der Ungewissheit.

Prüfstände, Prototypen, Material: was zählt wirklich?

Materialkosten für Prototypen sind im FZulG keine eigene Kostenart — der teure Zerspanungsversuch schlägt nur über die Löhne zu Buche. Erst für Vorhaben, die nach dem 31.12.2025 beginnen, greift die Gemeinkostenpauschale von 20 % der übrigen förderfähigen Aufwendungen (§ 3 Abs. 3b). Für Altvorhaben gilt sie nicht — die saubere Trennung von Alt- und Neuvorhaben ist deshalb bares Geld wert.

Prüfstände, Messtechnik und Versuchsvorrichtungen sind nach § 3 Abs. 3a ansetzbar — aber nur der Abschreibungsanteil, nur bei beweglichem Anlagevermögen (Fundament oder Hallenumbau zählen nicht), Anschaffung nach dem 27.03.2024, ausschließliche Nutzung im geförderten Vorhaben, keine GWG- oder Sammelpostenbehandlung. Wichtig: Die BSFZ muss die Erforderlichkeit mitbescheinigen — das Gerät gehört in den BSFZ-Antrag, nicht erst in die Steuererklärung.

Rechenbeispiele

Was dabei herauskommen kann

Zwei typische Konstellationen aus Maschinenbau, durchgerechnet mit den gesetzlichen Sätzen.

Rechenbeispiel

Sondermaschinenbau, Vorhaben ab 2026 (KMU)

Sondermaschinenbauer, KMU, Vorhabensbeginn in 2026 — deshalb ist hier die Gemeinkostenpauschale von 20 % ansetzbar. Beispielhafte Annahmen.

6 Entwickler × 85.000 €, 50 % F&E-Anteil
255.000 €
Auftragsforschung 100.000 €, davon 70 %
70.000 €
Gemeinkostenpauschale 20 % (ab 2026)
65.000 €
Bemessungsgrundlage gesamt
390.000 €

136.500 €

35 % KMU-Satz (auf Antrag) — Beispiel, keine Zusage

Rechenbeispiel

Rückwirkend: Prüfstand + Eigenleistung, 2025

Einzelunternehmer aus der Antriebstechnik, Antrag in 2026 rückwirkend für 2025 — Sätze von 2025, ohne Gemeinkostenpauschale. Beispielhafte Annahmen.

4 Konstrukteure × 72.000 €, 55 % F&E
158.400 €
Eigenleistung Inhaber: 1.350 Std. × 70 €
94.500 €
AfA-Anteil Prüfstand (§ 3 Abs. 3a)
30.000 €
Bemessungsgrundlage 2025
282.900 €

99.015 €

35 % KMU-Satz — Zulage für WJ 2025, Beispielwerte

Beispielrechnungen auf Basis angenommener Werte — sie zeigen die Systematik der Forschungszulage, nicht dein konkretes Ergebnis. Wie hoch dein Anspruch tatsächlich ausfällt, hängt von deinen Projekten, deinem F&E-Anteil und deiner Unternehmensgröße ab. Das rechnen wir im kostenfreien Erstgespräch für dich durch.

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Typische Vorhaben

So sieht förderfähige F&E hier aus

Vier Vorhabenstypen aus Maschinenbau, die die Kriterien der Forschungszulage erfüllen — und warum.

  • Sondermaschine mit neuem Fügeverfahren

    Du entwickelst eine Anlage, die zwei Werkstoffe verbindet, für die kein erprobtes Prozessfenster existiert — etwa faserverstärkter Kunststoff auf Aluminium. Zu Projektbeginn ist offen, ob Festigkeit und Taktzeit gleichzeitig erreichbar sind. Genau diese technische Ungewissheit, aufgelöst über systematische Versuchsreihen und Musterteile, ist experimentelle Entwicklung nach § 2 FZulG.

  • Sensorgeführte Robotik für Kleinserien

    Ein Handhabungssystem soll Teile greifen, deren Lage, Form und Oberfläche variieren — ohne Vorrichtungswechsel. Du kombinierst 3D-Bildverarbeitung, Kraftregelung und adaptive Bahnplanung und weißt zu Beginn nicht, ob die Erkennungsrate im geforderten Taktzyklus trägt. Neuartig, schöpferisch, technisch ungewiss und systematisch geplant: Die Frascati-Kriterien sind hier sichtbar erfüllt.

  • Antriebsstrang mit neuer Leichtbaustruktur

    Du willst ein Getriebegehäuse leichter bauen und setzt auf eine topologieoptimierte, additiv gefertigte Struktur. Ob das Bauteil die Betriebsfestigkeit über den geforderten Lastzyklen hält, beantwortet die Simulation allein nicht. Der Weg über Prüfstandsversuche, Strukturanpassung und erneute Erprobung ist systematisch geplante Entwicklungsarbeit — der Prüfstand ist über seinen Abschreibungsanteil ansetzbar.

  • Eigenes Fertigungsverfahren in der Zerspanung

    Du entwickelst eine Bearbeitungsstrategie für einen schwer zerspanbaren Werkstoff, bei dem Standzeit und Oberflächengüte bisher nicht zusammenpassen. Werkzeuggeometrie, Kühlstrategie und Schnittparameter variierst du in Versuchsreihen und wertest sie aus. Prozessentwicklung ist förderfähig — es zählt nicht das verkäufliche Produkt am Ende, sondern der reproduzierbare Erkenntnisgewinn.

Fragen aus Maschinenbau

Was Unternehmen aus Maschinenbau uns fragen

Wir konstruieren nach Kundenspezifikation — ist das überhaupt F&E?

Die Abgrenzung verläuft nicht am Auftrag, sondern an der technischen Ungewissheit. Setzt du bekannte Konstruktionsprinzipien auf ein neues Pflichtenheft um — andere Baugröße, anderes Taktmaß, angepasste Schnittstellen — ist das Anpassungskonstruktion und nicht förderfähig.

Förderfähig wird es dort, wo du zu Beginn nicht weißt, ob die Lösung funktioniert: ein Fügeverfahren ohne belastbares Prozessfenster, eine Kinematik jenseits validierter Steifigkeitsmodelle. Entscheidend ist, dass du beides im Antrag sauber trennst.

Sind die Materialkosten für unseren Prototypen förderfähig?

Direkt nicht. Das FZulG kennt keine eigene Kostenart für Material — Stahl, Zukaufteile oder Sensorik im eigenen Musterbau zählen nicht zu den förderfähigen Aufwendungen.

  • Die Gemeinkostenpauschale von 20 % auf die übrigen förderfähigen Aufwendungen federt das ab — allerdings nur für Vorhaben, die nach dem 31.12.2025 begonnen haben.
  • Die Arbeitszeit deiner Monteure und Techniker am Prototyp ist Personalaufwand und damit voll ansetzbar.
Wir haben einen Prüfstand für 300.000 € angeschafft — zählt der?

Anteilig. Nach § 3 Abs. 3a FZulG kannst du abnutzbares bewegliches Anlagevermögen ansetzen — aber nur den Abschreibungsanteil des jeweiligen Wirtschaftsjahres, nicht die vollen Anschaffungskosten. Bei 300.000 € und acht Jahren Nutzungsdauer wären das 37.500 € im Jahr.

Bedingungen: nach dem 27.03.2024 angeschafft, ausschließlich eigenbetrieblich im geförderten Vorhaben genutzt, dafür erforderlich, keine GWG- oder Sammelposten-Behandlung. Die Erforderlichkeit muss die BSFZ mitbescheinigen — der Prüfstand gehört also schon in den Bescheinigungsantrag.

Unsere Konstrukteure buchen Zeiten aufs Kundenprojekt, nicht auf F&E

Das ist im Maschinenbau der Normalfall: Die Entwicklungsarbeit steckt in einem Kundenauftrag, die Stunden laufen auf dessen Kostenstelle. Für die Forschungszulage brauchst du keine rückwirkend perfekte Zeiterfassung, aber einen nachvollziehbaren Nachweis, welcher Anteil der Arbeitszeit auf das F&E-Vorhaben entfällt.

In der Praxis tragen Auszüge aus ERP oder PLM, Konstruktionsstände im CAD-System, Versuchs- und Prüfprotokolle sowie die Änderungsdokumentation. Wichtig ist, dass die Grenze zwischen Serienkonstruktion und Entwicklung konsistent begründet ist.

Weitere Branchen

Auch in deiner Branche gefördert

Die Forschungszulage ist branchenoffen. Entscheidend ist nicht, in welchem Markt du arbeitest — sondern ob du entwickelst.

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